Psychobiologie des Vertrauens

Vertrauen, Nähe und Berührung können die biologische Stressregulation beeinflussen. Prof. Dr. phil. Beate Ditzen beleuchtet am Hohenegger Symposium 2026 das Zusammenspiel von Beziehung und Gesundheit – und eine neue Frage: Können auch Gespräche mit KI und digitalen «Social Companions» ähnliche Prozesse anstossen? Für die Psychotherapie eröffnet dies neue Möglichkeiten und Fragen nach den Grenzen solcher Beziehungen.

Prof. Dr. phil. Beate Ditzen

Nähe ist mehr als ein gutes Gefühl: Vertrauen, Intimität und Berührung können Stress regulieren und die Gesundheit stärken.

Unter Druck zeigt sich die Kraft enger Beziehungen besonders deutlich. Zwischenmenschliche Nähe ist nicht nur emotional bedeutsam, sondern ein zentraler Resilienzfaktor. Vertrauen und Intimität lassen soziale Interaktionen bis in biologische Prozesse hinein wirksam werden.

Wie eng Körper und Beziehung zusammenspielen, zeigen neurobiologische Erkenntnisse. Eine wichtige Rolle spielt der Botenstoff Oxytocin, der bei vertrauensvollen Kontakten und körperlicher Nähe ausgeschüttet wird. Auch Berührungen beeinflussen die Stressregulation. Die Qualität einer Beziehung kann sich damit auf körperliche Reaktionen und die Gesundheit auswirken.

Doch was geschieht, wenn das Gegenüber kein Mensch ist? Digitale «Social Companions» und künstliche Intelligenz werden zunehmend zu Gesprächspartnern – auch bei der Suche nach Zuwendung oder Entlastung. Können solche Interaktionen ähnliche psychobiologische Prozesse anstossen wie menschliche Beziehungen? Für die Psychotherapie eröffnet dies neue Möglichkeiten, verlangt aber auch einen sorgfältigen Blick auf Grenzen und Konsequenzen. Denn Vertrauen mag technisch unterstützt werden – tragen muss es in einer Beziehung.

 

Literaturempfehlungen:

  • Ditzen, B., Eckstein, M., Fischer, M., & Aguilar-Raab, C. (2019). Partnerschaft und Gesundheit [Romantic relationships and health] [journal article]. Psychotherapeut, 64(6), 482-488. https://doi.org/https://doi.org/10.1007/s00278-019-00379-9
  • Mayer, C. J., Swysen, T. L., Kurz, T. R., Stephan, T. I., Geisel, D., Doll, E. S., Mahal, N., Lerch, S. P., Sailer, S., Schaaf, C. P., Merz, C. J., Wüstenberg, T., Ehrenthal, J. C., Walter, S., Mahal, J., & Ditzen, B. (2026). Perceptions of simulated artificial intelligence in medical consultations: associations with stress, memory, and perceived credibility. NPJ Digit Med, 9(1). https://doi.org/10.1038/s41746-026-03022-5
  • Schneider, E., Hernandez, C., Brock, R., Eckstein, M., Bodenmann, G., Heinrichs, M., Ehlert, U., Lauchli, S., & Ditzen, B. (2025). Intranasal Oxytocin and Physical Intimacy for Dermatological Wound Healing and Neuroendocrine Stress: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2025.3705

 

Sehen Sie hier den Vortrag in voller Länge:

Autor*innen

  • Prof. Dr. phil. Beate Ditzen

    Lehrstuhl für klinische Biopsychologie und Psychotherapie an der Universität Zürich

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