In der psychiatrischen Behandlung treten Schlafprobleme häufig auf, wodurch bei unseren Patientinnen und Patienten ein zusätzlicher Leidensdruck entstehen kann. Entsprechend wichtig ist es, nicht nur darüber zu sprechen, sondern Schlaf auch möglichst konkret zu erfassen und verstehbar zu machen. In der Privatklinik Hohenegg nutzen wir dafür die Aktimetrie in Kombination mit einem pflegerischen Gruppenangebot.
Die Aktimeter werden am Handgelenk getragen und haben die Grösse und Form einer Armbanduhr. Das Gerät wird über eine Woche von den Patientinnen und Patienten getragen und zeichnet Aktivität und Ruhephasen auf. Daraus lassen sich Schlaf-Wach-Muster abschätzen: Wann wird geschlafen, wie lange, gibt es Wachphasen in der Nacht, wie aktiv ist der Tag? Es entsteht ein objektiver Verlauf, der oft mehr zeigt als das subjektive Empfinden.
Parallel dazu führen die Patientinnen und Patienten ein Schlafprotokoll. Darin halten sie fest, wie sie ihren Schlaf erleben – Bett- und Aufstehzeiten, nächtliches Erwachen oder die subjektive Erholung. Aufschlussreich wird es beim Vergleich: Nicht selten gehen objektive Daten und persönliches Empfinden auseinander. Manche erleben ihren Schlaf deutlich schlechter, als er gemessen wird, andere unterschätzen bestehende Unruhe oder Aktivität tagsüber und/oder abends und deren Einfluss auf die Schlafqualität. Genau in dieser Differenzierung liegt ein wichtiger Ansatzpunkt für die weitere Arbeit.
Die ärztlichen oder psychologischen Fallführenden werten die Daten aus der Aktimetrie zusammen mit dem Schlafprotokoll aus. Auf dieser Grundlage werden individuelle Empfehlungen entwickelt – möglichst konkret und umsetzbar. Das kann bedeuten, Schlafzeiten zu stabilisieren, Tagesaktivität gezielt aufzubauen, den Umgang mit Gedankenkreisen zu verändern oder schlafhindernde Gewohnheiten zu erkennen und anzupassen. Häufig geht es auch darum, unrealistische Erwartungen an den eigenen Schlaf zu relativieren und wieder mehr Vertrauen in die eigene Schlafregulation zu entwickeln. Entscheidend ist, dass die Massnahmen zum Alltag der Patientinnen und Patienten passen und schrittweise umgesetzt werden können.
Ergänzend dazu findet ein pflegerisch geleitetes Gruppenangebot statt. Dort werden Grundlagen rund um Schlaf und Schlafhygiene vermittelt: Was unterstützt einen stabilen Rhythmus? Welche Rolle spielen Licht, Bewegung oder Medienkonsum? Und welche Strategien können helfen, zur Ruhe zu kommen? Auch Themen wie der Umgang mit nächtlichem Wachliegen oder der Einfluss von Gedanken und Emotionen werden aufgegriffen. Gleichzeitig bietet die Gruppe Raum für Austausch und Einordnung der eigenen Erfahrungen.
Die Kombination aus Messung, Selbstbeobachtung und konkreter Begleitung schafft eine greifbare Grundlage. Schlaf wird weniger diffus – und damit auch verständlicher und veränderbar. So können Patientinnen und Patienten schrittweise wieder mehr Sicherheit im Umgang mit ihrem Schlaf entwickeln.