Vertrauen und Spiritualität

Am Hohenegger Symposium vom 10. September 2026 widmete sich Prof. Dr. theol. Simon Peng-Keller dem Zusammenspiel von Vertrauen und Spiritualität. Er zeigte auf, wie Spiritualität gerade in Krisen und im Umgang mit dem Unverfügbaren dazu beitragen kann, Vertrauen und Orientierung zu finden.

Prof. Dr. theol. Simon Peng-Keller

Spiritualität kann Vertrauen dort verankern, wo das Leben unverfügbar wird und vertraute Sinnentwürfe zerbrechen.

Vertrauen beginnt dort, wo Kontrolle endet. Weil sich nicht alles steuern lässt, wird es zur Ressource im Umgang mit dem Unverfügbaren. Als «selbststabilisierender Kontrollverzicht» ermöglicht es Selbstregulation – «to manage the unmanageable». Vertrauen kann als Akt, Gabe oder Haltung verstanden werden.

Eng verbunden sind Vertrauen und Spiritualität. Gelebte Spiritualität ist kein statischer Zustand und nicht zwingend an Religion gebunden. Ihre Bedeutung verändert sich im Lauf des Lebens. Belastungen können spirituelle Praktiken in den Hintergrund drängen; existenzielle Krisen lassen die Frage nach Halt und Sinn neu hervortreten.

Spiritualität bietet eine Möglichkeit, mit der Unverfügbarkeit des Lebens, mit Nicht-Sinn und Widersinn umzugehen. In spirituellen Erfahrungen, Praktiken und Überzeugungen kann Grundvertrauen Vertiefung und Verankerung finden. Dies zeigt der Erfahrungsbericht des Schriftstellers Eric-Emmanuel Schmitt: Spiritualität vermittelt die Gewissheit, dass das Leben selbst dann sinnvoll bleiben kann, wenn eigene Sinnentwürfe in einer Grenzsituation zerbrechen. Sie hebt die Unverfügbarkeit nicht auf, kann aber helfen, ihr vertrauensvoll zu begegnen.

 

Literaturempfehlungen:

  • Ingolf U. Dalferth, Simon Peng-Keller (Hg.), Grundvertrauen. Hermeneutik eines Grenzphänomens, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2013.
  • Ingolf U. Dalferth, Simon Peng-Keller (Hg.), Gottvertrauen. Die ökumenische Diskussion um die fiducia, Freiburg i. Br.: Herder-Verlag 2012 (Quaestiones disputatae 250).
  • Ingolf U. Dalferth, Simon Peng-Keller (Hg.), Kommunikation des Vertrauens, Leipzig, Evangelische Verlagsanstalt 2012.
  • Simon Peng-Keller (Hg.), Bilder als Vertrauensbrücken. Die Symbolsprache Sterbender verstehen (Reihe: Studies in Spiritual Care, Bd. 2). Berlin: De Gruyter 2017.
  • Simon Peng-Keller, Spiritualität im Kontext von Gesundheit und Spiritual Care. Begriffsgeschichtliche Annäherungen, in: Ulrike Anderssen-Reuster, Eckhard Frick, Ludwig Lewandowski, Herbert Will (Hg.), Neuer Fortschritt in der Geistigkeit? Psychoanalyse und Spiritualität. De Gruyter: Berlin 2024, 27–40.

 

Sehen Sie hier den Vortrag in voller Länge:

Autor*innen

  • Prof. Dr. theol. Simon Peng-Keller

    Professur für Spiritual Care an der Universität Zürich

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